Bild-Kunst Förderpreis 2017 an Lara Scherpinski und Madeleine Schleich

Bei den 51. Internationalen Hofer Filmtagen wurden die Akademie-Studentin Lara Scherpinski und Alumna Madeleine Schleich mit dem Bild-Kunst Förderpreis ausgezeichnet, der zum ersten Mal in der zwanzigjährigen Geschichte der Preisvergabe an Studierende verliehen wird. Das Team erhielt den mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Preis für die Ausstattung des Langspielfilms „Brut“ von Constantin Hatz.

Abb.: Die Preisträgerinnen Madeleine Schleich und Lara Scherpinski (Foto: Internationale Hofer Filmtage) Abb.: Die Preisträgerinnen Madeleine Schleich und Lara Scherpinski (Foto: Internationale Hofer Filmtage)

13.11.2017

Lara Scherpinski habe es mit ihrem Kostümbild geschafft, das Essentielle des Films zu unterstreichen, so die Begründung der Jury. Dieser „eindringliche Beitrag zur Dramaturgie“ des Werks verwandele „charmante Zitate aus den 50er und 60er Jahren zur größtmöglichen Reduktion und Brutalität“. Mit dem Szenenbild von Madeleine Schleich werde das Thema des Films „durch die Hermetik des Raumes auf die Spitze getrieben". Die Jury lobte den „schlichten Raum, in dem jeder Gegenstand bewusst gewählt wurde“ und der „die perfekte Bühne für dieses Kammerspiel“ biete.

Der Film „Brut“ von Constantin Hatz handelt von der emotionalen Nähe eines Mutter-Tochterpaares. Als das Kind einen Ausweg aus der klaustrophobischen Beziehung sucht, beginnt ein Machtkampf zwischen Mutter und Tochter unter dem Deckmantel der Liebe. „Ein hochintelligentes, kleines Monstrum von einem Film“ fasst die Süddeutsche Zeitung zusammen. Einige Filmstills veröffentlichte das Magazin German Films Quarterly.

Nach der Preisverleihung führten die Hofer Filmtage ein Interview mit den Gewinnerinnen. Bettina Walter, Professorin für Kostümbild der ABk Stuttgart, beglückwünscht die Preisträgerinnen: „Ein kompletter Film in einem einzigen geschlossenen Raum... und doch schafft es Szenenbildnerin Madeleine Schleich darin eine geradezu schmerzhafte Spannung herzustellen. In einer verschachtelten Wohnung als steril stilisiertes Labor für eine dysfunktionale Eltern-Kind-Beziehung wirkt die unerreichbare Außenwelt die ganze Zeit grausam nah. Was die Tochter nicht sagen kann, fordert das Kostümbild von Lara Scherpinski zu Tage. Anfangs verflochten in den Vorstellungen der Mutter, versucht die Tochter, nach und nach den Strick zu lösen. Die Verwandlung des Kindes setzt Lara Scherpinski im Kostüm mit einer originären theatralen Zeichenhaftigkeit um. Dank der engen Kooperation des Studiengangs Kostümbild der ABK Stuttgart mit Regieausbildung der Filmakademie Baden-Württemberg können ausgezeichnete Projekte wie „Brut“ entstehen. Ich gratuliere Lara Scherpinski und Madeleine Schleich herzlich zum Bild-Kunst Förderpreis.“

„Brut“ feierte bei den Hofer Filmtagen Weltpremiere und war außerdem für den Förderpreis Neues Deutsches Kino nominiert. Das Festival gilt als Sprungbrett für den jungen deutschen Film und zeigt ausschließlich Erstaufführungen. Zu den bisherigen Preisträgern des Festivals zählen Filmemacher wie Werner Herzog, Wim Wenders, Doris Dörrie und Rosa von Praunheim.

Lara-Luisa Scherpinski absolviert seit 2013 die Fächer Bühnenbild und Kostümbild bei Prof. Martin Zehetgruber und Prof. Bettina Walter an der ABK Stuttgart. Die Grundklasse belegte sie bei Andreas Opiolka, Professor für Allgemeine künstlerische Ausbildung. Ihre Bühnenausstattungen wurden bislang unter anderem am Deutschen Theater Berlin, am Theater Trier, bei den Nibelungenfestspielen Worms, am Schauspiel Stuttgart, am Theater Rampe sowie an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg gezeigt. An der Filmakademie Baden-Württemberg sammelte sie erste Erfahrungen im Filmkostümbild. 2016 wurde Lara Scherpinski als Stipendiatin in die Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen.

2011 erhielt Madeleine Schleich das Diplom Bühnen- und Kostümbild nach einem Studium an der ABK Stuttgart bei Prof. Martin Zehetgruber und an der Aalto-University Helsinki. Die Grundklasse absolvierte sie bei Prof. Rolf Bier. Sie stattete Theater- und Filmprojekte in Helsinki, Stuttgart, München und Basel aus. An der Staatsoper Budapest entwarf sie das Bühnenbild für „Cavalleria Rusticana“ und „Bajazzo“ unter der Regie von Georges Delnon. Seit dem Wintersemester 2014 studiert sie an der Filmakademie Baden-Württemberg Szenenbild. Mit dem Langspielfilm „Die Tochter“ von Mascha Schilinski war Madeleine Schleich 2017 auf der Berlinale vertreten.


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