Erwin Heinle zum 100. Geburtstag

Anlässlich des 100. Geburtstags von Professor Erwin Heinle, deutscher Architekt und Hochschullehrer, gedenkt die ABK Stuttgart der großen Architekten-Persönlichkeit und dem außergewöhnlichen Lehrer, der in der Zeit von 1965 bis 1981 an der Akademie die Leitung des Lehrstuhls Architektur/ Hochbau im Studiengang Innenarchitektur und Möbeldesign innehatte.

Abb.: Erwin Heinle (Bildnachweis: Heinle, Wischer und Partner) Abb.: Erwin Heinle (Bildnachweis: Heinle, Wischer und Partner)

05.04.2017

Erwin Heinle wurde am 5. April 1917 in Vaihingen auf den Fildern geboren und ist am 3. Januar 2002 in St. Anton am Arlberg verstorben. Nach Kriegsende studierte Heinle Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart und schloss das Studium 1949 ab. Daran anschließend war er als Assistent von Professor Günter Wilhelm an der Technischen Hochschule, die wegen Kriegsschäden damals im Altbau der Akademie beheimatet war, tätig, und Leiter von dessen Büro. Die dort gewonnenen Einsichten setzte er kontinuierlich in seinem weiteren Berufsleben um.  

Mit seinen Bauten prägte Erwin Heinle wie kein anderer Architekt die Stadt Stuttgart weit über ihre Grenzen hinaus und ist als bauleitender Architekt untrennbar mit dem Bau des Fernsehturms und des Landtags verbunden. Beide denkmalgeschützte Gebäude gehören zu den Wahrzeichen der Stadt Stuttgart. Mit der Gründung des Büros „Heinle, Wischer und Partner“ im Jahr 1962 wurden weitere wichtige Bauten realisiert, die großen Einfluss auf die spätere Architektengeneration hatten und auch heute noch als wegweisend in der deutschen Architekturgeschichte gelten. Hierzu gehören unter anderem die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, das ICI-Nylonfaserwerk in Östringen, das Krebsforschungszentrum Heidelberg, das Olympische Dorf in München sowie weitere Fernmeldetürme, das Stadthaus Bonn und das Kollegiengebäude der Universität Stuttgart und die Universität in Iran, um nur eine Auswahl zu nennen. All diese Bauten zeigen spürbar die besonderen Eigenschaften Erwin Heinles wie Integrität, Gestaltungswille, Klarheit im Werk, Durchsetzungskraft, Freundschaft und Toleranz.

1965 folgte Heinle dem Ruf an die Akademie, wo er bis zu seinem Ruhestand 1981 die Leitung des Lehrstuhls für Architektur/Hochbau im Studiengang Innenarchitektur und Möbeldesign innehatte. Seine Fähigkeit, auf Studierende zuzugehen, diese für die Architektur zu begeistern, zu fordern und zu fördern zeichnete ihn als eine außergewöhnliche Lehrerpersönlichkeit aus. Mit seiner fachlichen Kompetenz, Geschick und Geduld wirkte er sowohl an der inhaltlichen und organisatorischen Ausrichtung des Diplomstudiengangs Innenarchitektur und Möbeldesign sowie der Einführung der Verleihung des akademischen Grads des Diplomingenieurs an Innenarchitektinnen und -architekten. 1981 wurde er zum Ehrenmitglied der Akademie ernannt und lobte zeitgleich den nach ihm benannten Preis aus, der seitdem jedes Jahr abwechselnd in den Studiengängen Architektur, Industrial Design, Textildesign und Kommunikationsdesign verliehen wird. 

Ein großes Anliegen war für Heinle die Einbindung der Bildenden Kunst in das architektonische Werk an der Akademie, wie auch in seinem eigenen Schaffen mit dem Ziel, einen Dialog zwischen Bauwerk und Bild sowie Raum und Plastik zu erzeugen und damit ein identitätsstiftendes Gesamtkunstwerk entstehen zu lassen. Mit seiner Weitsicht, Offenheit, Geradlinigkeit und Herzlichkeit ging Erwin Heinle beispielgebend voraus. Anlässlich seines 100. Geburtstags gedenkt die Akademie heute mit großer Bewunderung und Dankbarkeit seiner Person.


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