Ausstellung: „Die Malerin als Medium“

Galerie Strzelski, Rotebühlplatz 30, 70173 Stuttgart

Abb.: Thinking About Video Art - Gel(i)ebtes Leben 1, 2020, Öl auf Leinwand, 200 x 200 cm

03.07. - 08.08.2021

Video und Leben. Im Zentrum der Einzelausstellung „Die Malerin als Medium“ von Anette C. Halm, Meisterschülerin des Weißenhof-Programms der ABK Stuttgart, stehen großformatige neue Gemälde, die jedoch eine Ausnahme zu dem gleichnamigen, im Jahr 2008 begonnenen Werkzyklus „Thinking About Video Art“ bilden. Der Grund dafür ist ein zweiter Zyklus, an dem Halm seit ihrer Aufnahme als Meisterschülerin im Weissenhofprogramm der Stuttgarter Kunstakademie bei Prof. Christian Jankowski recherchiert und arbeitet: „Gel(i)ebtes Leben“. Malerei und Liebe. 

Die konzeptuelle Grundlage bildet der Tod der Mutter des Opernsängers Cornelius Hauptmann, deren Haus in Esslingen am Neckar steht. Halm konnte unmittelbar nach dem Tod der 93-jährigen Dame mit filmischen Kamerafahrten und Fotografien die räumliche Situation dokumentieren. Wie bereits in früheren Arbeiten, greift sie damit eine Familiengeschichte auf und spannt einen Bogen, der um das Thema Musik kreist: das Kennenlernen der Eltern Hauptmanns beim gemeinsamen Singen im Leichenchor bis zum Musikzimmer im späteren Haus der Familie in Esslingen, in dem die drei Kinder täglich je eine halbe Stunde musizierten[1] und zu mehreren Hauskonzerten im Jahr einluden. 

Mit dem Tod verschwindet nicht nur das Leben: Möbelstücke, Bücher, Wertgegenstände und Nippes werden entfernt, verbleiben als Erinnerungsstücke innerhalb der Familie oder werden verkauft. Diese sichtbare Reduzierung der „Erbmasse“ wurde bei einem zweiten Besuch im Haus von Halm festgehalten. Anhand zweier Diaprojektoren werden diese beiden Zustände gleichgeschaltet, laden uns Betrachter*innen zum direkten Vergleich ein und zum Sinnieren darüber, was von einem Leben bleibt.

Die großformatigen Gemälde entstanden im Anschluss an Gespräche der Künstlerin mit den Hinterbliebenen der Verstorbenen. Halm übernahm das Erzählte und verarbeitete es unmittelbar als Malerei. Gerade in den Erfahrungen der zurückliegenden Monate und anhand tragisch verlaufender persönlicher Schicksale weltweit, wurde das bisherige Leben hinterfragt, Selbstverständlichkeiten als Besonderheiten wahrgenommen und die Bedeutung  vom unbeschwerten Leben merklich aufgeladen. Recht bald steht das leere Haus zum Verkauf und wird dem Käufer übergeben. Dann soll das Lied „Totengräbers Heimweh“ erklingen, gesungen von Cornelius Hauptmann. Unruhige Bewegung, jedoch nicht zu schnell.
Hendrik Bündge

[1] „Schlauerweise legten wir das Üben manchmal zusammen zum Trio und konnten dann eine Stunde früher ins Freibad“, so Cornelius Hauptmann im Gespräch mit der Künstlerin.

Eröffnung: Freitag, 02. Juli, 18–21 Uhr
Laufzeit: 03.07.–08.08.2021
Öffnungszeiten: Mi–Fr 11–18 Uhr und nach Vereinbarung

Die Künstlerin wird bei der Eröffnung anwesend sein.

Weitere Informationen unter www.strzelski.de

Es gelten die üblichen Abstands- und Hygienebestim­mungen der aktuellen Coronaverordnung des Landes Baden-Württemberg.

Zum Seitenanfang