Mit Farbe gefüllte Risse: Schaden oder Spuren einer besonderen Maltechnik?
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Während eines fünfmonatigen Praktikums am Stedelijk Museum Amsterdam bekam Chiara Schweizer vielfältige Einblicke in die Arbeit am Museum und die Erhaltung moderner und zeitgenössischer Kunst. Im Rahmen einer Projektarbeit im Masterstudium beschäftigte sie sich mit einem Impasto-Ölgemälde des französischen Künstlers Eugène Leroy aus dem Jahr 1995.
Die mehrere Zentimeter dicke Malfarbe (Abb. 1), war für die Oberflächenreinigung eine besondere Herausforderung (Abb. 2 und 3). Acht Risse im textilen Bildträger waren der Anlass, das Gemälde genauer zu untersuchen.
Weil einige Risse mit Malfarbe gefüllt waren (Abb. 4), stellte sich die Frage nach dem Zeitpunkt ihrer Entstehung und damit die Frage, ob diese Risse zum Entstehungsprozess des Gemäldes gehören oder nachträgliche Beschädigungen darstellen. Durch den Vergleich des aktuellen Zustandes mit frühen Fotos dieses und weiterer Gemälde Leroys konnte festgestellt werden, dass die Risse dem Malprozess des Künstlers zuzuordnen sind und daher erhalten werden sollen. Besonders für Lagerung und Transport sollte das Gemälde durch einen individuell angepassten Rückseitenschutz unterstützt werden. Dabei wurde unter anderem ein Flortextil verwendet, das am Rückseitenschutz befestigt und in direktem Kontakt mit der Gemälderückseite montiert wird (Abb. 5). Das Gemälde kann nun durch die rückseitige Unterstützung wieder ausgestellt, transportiert und gelagert werden.
Ermöglicht und betreut wurde das Projekt durch die Restauratorinnen Anne Schmid und Annegret Volk am Stedelijk Museum Amsterdam.