Hanna Magdalena Züllig Frei. Positionierungsbewegungen im Feld des Creative Coding – Anrufungen, Aushandeln und Widerspruch aus kunst- und medienpädagogischer Perspektive
Inhalt
Kurzvita
Hanna Züllig arbeitet seit 2018 als Dozentin für Digitaldesign (Creative/Critical Coding, Interaction Design) an der Hochschule für Design, Kunst und Film Luzern und an der Schule für Gestaltung Zürich im Bereich Interaction Design. An der HSLU ist sie in interdisziplinären Modulen sowie in jungen Studiengängen wie Digital Ideation und Data Design & Art tätig.
Nach dem Abschluss des Diplomstudiengangs für Lehrberufe Gestaltung und Kunst an der ZHdK (1989) arbeitete sie zuerst als freischaffende Künstlerin und Lehrerin für Bildnerisches Gestalten, in den späten 1990er-Jahren als Webentwicklerin und -designerin in einem Start-up, bevor sie mit internauta 2003 ihr eigenes Webstudio gründete. Parallel dazu entwickelte sich ihr Interesse an Code als künstlerischem Medium – geprägt von generativer Gestaltung, Creative Coding (CC) und der Processing Community.
Von 2018–2022 absolvierte sie den Joint Masterstudiengang Fachdidaktik Medien und Informatik und schloss mit einer Arbeit über CC als künstlerisches Medium und Trading Zone ab. Seit 2010 konzipiert sie zudem Weiterbildungsformate, darunter 2024 gemeinsam mit Andreas Kohli den Kurs «CC für die Vermittlungspraxis» an der ZHdK.
Vor dem Hintergrund einer Berufsbiografie, die sich entlang der Themen Vermittlung, Digitalisierung, Informatik und Kunst/Design immer wieder neu positioniert hat, widmet sich ihre Dissertation der Frage, wie eine technofeministische Pädagogik dazu beitragen kann, eine CC Lehrpraxis zu konturieren, die sich nicht vorschnell stabilisiert, sondern aktiv aushandelt.
Publikationen
2026
Züllig Frei, H. M. (2022). Code als Medium – theoretische Perspektiven auf die Praxis von Creative Coding. Vorschlag einer Trading Zone. doi.org/10.5281/zenodo.7554662
Promotionsvorhaben
Abstract
Ausgangspunkt der Forschung ist die Beobachtung, dass Kunst- und Designhochschulen Creative Coding (CC) zunehmend in ihr Angebot aufnehmen – so auch im schweizerischen Umfeld die ZHdK, HSLU, FHNW, ECAL u.a. Im Fokus stehen Angebote, die noch nicht curricular stabilisiert sind – interdisziplinäre Gefässe, Projektwochen, Randzonen. Das Feld selbst ist heterogen; es finden sich Bezüge zu früher Konzept- und Computerkunst, Hacking, kritischer Tech-Kultur, Live Coding u.a.
Aus kunstpädagogischer Sicht wird gefragt: Wie stabilisiert sich die CC-Lehre? Über Themen der Digitalisierung, über das Medium Code, über Kreativität und Empowerment? Die Lehr- und Lernpraxis bleibt forschend kaum verhandelt.
Die These lautet: Lehrende wie Studierende positionieren sich in einem Feld widersprüchlicher Anrufungen – aus Tech-Industrie, Plattformen, Digitalkultur, Medientheorie, Pädagogik, Kunst – performativ und improvisierend, ohne stabile Position.
Die Forschung verfolgt zwei Anliegen: Sie rekonstruiert diese Positionierungsbewegungen praxeologisch und ethnologisch unter dem Aspekt von Subjektivierungstheorien. Und sie entwickelt – unter Perspektiven der Aktionsforschung fragt sie, wie eine technofeministische Pädagogik dazu beitragen kann, eine CC-Praxis des aktiven Aushandelns zu konturieren.
The starting point of this research is the observation that art and design universities are increasingly incorporating Creative Coding (CC) into their programs – including, in the Swiss context, ZHdK, HSLU, FHNW, ECAL and others. The focus is on offerings that are not yet curriculary stabilized – interdisciplinary formats, project weeks, spaces at the margins. The field itself is heterogeneous; references range from early conceptual and computer art to hacking, critical tech culture, and live coding.
From the perspective of art education, the research asks: How does teaching CC stabilize itself? Through themes of digitalization, through the medium of code, through creativity and empowerment? Teaching and learning practice remain largely unaddressed in research.
The thesis: teachers and students alike position themselves performatively and improvisationally within a field of contradictory interpellations – from the tech industry, platforms, digital culture, media theory, pedagogy, art – without arriving at a stable position.
The research therefore pursues two aims. On the one hand, it seeks to reconstruct these positioning movements through the lens of subjectivation theories, using praxeological and ethnological approaches. On the other hand, it also aims to develop: drawing on perspectives from action research, it asks how a technofeminist pedagogy can contribute to contouring a CC practice of active negotiation.