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Wartezeiten sind auch 2026, in einer Welt der dauerhaften Verfügbarkeit nicht verschwunden. Sie haben sich verschoben und verschärft. Gerade weil „sofort“ zum Normalfall geworden ist, fällt die verbleibende Wartezeit umso stärker ins Gewicht. Wir warten täglich: auf den Bus, an der Kasse, in der Warteschleife oder vor einem Ladebalken. Die wenigsten warten freiwillig und es wird erst darüber gesprochen, wenn es negativ auffällt.
Meine Diplomarbeit mit dem Titel „Warten“ gibt diesem Zustand eine Form. Die vier Teile des Projektes umkreisen das Warten von vier Seiten und bewegen sich dabei von außen nach innen. Vom Warten der anderen über das Nachdenken darüber bis hin zum eigenen, erlebten Warten.
Der erste Teil ist ein Leporello aus 4725 Trustpilot-Rezensionen, die sich über das Warten beschweren. Sie wurden automatisiert gesammelt, bewertet und gesetzt: ein Score der die Wut der Reviews festhält, beeinflusst typografische Parameter, sodass die Wut unmittelbar sichtbar wird. Auf 123 Metern wird das Leporello selbst zur Warteschlange, die seine Texte beschreiben. Der zweite Teil ist ein Buch, das dem Ursprung der Ungeduld nachgeht und die Antwort in der Geschichte des Wartens und in der Beschleunigung der Welt sucht. Der dritte Teil, die Website warten.fun verlässt die Beobachtung und lässt den Besucher warten, stellt es heraus und spielt damit. Der vierte Teil, ein umgebautes Telefon von 1993, legt das Warten schließlich in die Hand des Betrachters. Beim Abheben beginnt eine Warteschleife, die vertröstet, ohne je ans Ziel zu führen.
Was die Arbeit leistet, ist keine Lösung, sondern eine Verschiebung der Wahrnehmung. Sie gibt einer alltäglichen, meist übersehenen Erfahrung eine Form, die man ansehen und in der Hand halten kann, um sie so besprechbar zu machen.

 

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