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Schon zum zweiten Mal richtete die ABK Stuttgart vom 19. bis zum 25. Juli 2026 eine Summer School zum Thema Denkmalpflege aus. In diesem Jahr ging es unter dem Motto „Eine Zukunft für den Langen Bau“ ins Kloster Heiligkreuztal bei Sigmaringen. Der interdisziplinäre Workshop wurde wie im Jahr zuvor mit Expert*innen aus verschiedenen Bereichen der Denkmalpflege durchgeführt. Auch diesmal war das Ziel, eine denkmalpflegerische Zielstellung für eine bewahrende Nutzung des Untersuchungsobjekts zu entwickeln: der ehemalige Ochsenstall im sogenannten Langen Bau.

Möglich wurde dieses Kooperationsprojekt durch die von Barbara Saebel MdL a. D. (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) eingeworbenen Gelder, die im Haushalt des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg für 2025 und 2026 eingestellt und der ABK Stuttgart zugewiesen wurden.

Auftakt der Summer School

Die Woche begann mit einer Führung über das Klostergelände von Martina Goerlich und Dr. Dörthe Jakobs vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart sowie Christoph Manderscheid vom Architekturbüro Manderscheid in Tübingen. Die Themen reichten über die Geschichte des Klosters und das Vorgehen der Denkmalpflege, unter anderem bei der Restaurierung des bekannten Kreuzganges, bis zum Ausbau des Klosters zum Tagungshaus durch Johannes Manderscheid seit den 1970er-Jahren.

Am zweiten Tag konnten die Teilnehmenden an vier Stationen grundlegende Methoden beim Umgang mit historischer Bausubstanz kennenlernen. Anschließend entschieden sie sich für eine der Stationen, um deren Inhalte im Laufe der Woche zu vertiefen und eine jeweils passende Fragestellung zu bearbeiten.

Arbeitsgruppen und Inhalte

Den Großteil der Woche verbrachten die Teilnehmenden in vier selbst ausgewählten Gruppen mit unterschiedlichen methodischen Schwerpunkten:

Gruppe 1: Geodäsie und Bauaufnahme

Als Basis diente der Gruppe eine Punktwolke, die im Vorfeld mittels eines 3D-Laserscanners aufgenommen wurde. Mit dem Programm Rhinoceros und dessen Plug-Ins Grasshopper, Kangaroo Physics und Cockroach konnten 3D-Modellierungen des Ochsenstalls angefertigt werden, die Rückschlüsse auf die Baugeschichte und Statik zuließen, sowie den anderen Gruppen als Basis ihrer Arbeit dienten. Unterstützt wurde die Gruppe von Baris Wenzel (Universität Stuttgart).

Gruppe 2: Bauforschung und Archivalien

Die Gruppe wertete literarische und archivalische Quellen zum Kloster aus und untersuchte den Ochsenstall auf Spuren baulicher Veränderungen. Die gewonnenen Informationen dienten der Erstellung einer detaillierten Baugeschichte und einer Baualterskartierung, die die Veränderungen in den im Vorfeld angefertigten Plangrundlagen aufzeigt.
Außerdem untersuchten die Teilnehmenden den Dachstuhl des Ochsenstalls. Dabei konnten sie sowohl Erkenntnisse zur Baugeschichte als auch zum Schadensbestand gewinnen. Letzteren kartierten sie in der vom Landesamt für Denkmalpflege empfohlenen Systematik.
Angeleitet wurden die Teilnehmenden von Prof. Dr. Anne-Christine Brehm (Universität Heidelberg), Sebastian Luib (Zimmerei Luib, Dachverband der Restauratoren im Handwerk e. V.), Renée Heusler, Dr. Jasmin Schäfer und Prof. Dr. Christiane Weber (Universität Stuttgart).

Gruppe 3: Restaurierung

Unter der Anleitung von Saskia Kaiser und Prof. Roland Lenz (ABK Stuttgart) untersuchte die Gruppe die Architekturoberflächen und Farbigkeiten im Ochsenstall und kartierte diese in der gängigen Systematik. Fein geschliffen konnten die Proben unter dem Mikroskop betrachtet werden. Die Zusammensetzungen und Abfolgen der Mörtel, Putze und Farbschichten ließen Rückschlüsse auf die Bau- und Nutzungsgeschichte des Ochsenstalls zu. Im Vorfeld wurden Orthofotos der Wände und Decken des Ochsenstall durch Nikolai Siegelin (Architekturbüro Siegelin) erstellt, welche als Kartierungsgrundlage dienten.

Gruppe 4: Revitalisierungskonzepte

Eine bewahrende Nutzung für den Ochsenstall zu finden war das Ziel dieser Gruppe. Über eine Orts- und SWOT-Analyse ergründeten die Teilnehmenden die Potentiale, Fallstricke und Anforderungen an eine Umnutzung der Räumlichkeiten. Der finale Entwurf eines Nutzungskonzeptes und Umbaus erhält die Geschichte sowie den Charakter des Ochsenstalls und bindet gleichzeitig die bisher ungenutzte Fläche in den Tagungsbetrieb mit ein, dem dadurch neue Möglichkeiten an Nutzung gegeben werden. Angeleitet wurde die Gruppe von Dr. Anette Busse (Karlsruher Institut für Technologie) und Iris Pfeiffer (Universität Stuttgart).

Gemeinsame Aktivitäten und fachlicher Austausch

Gruppenübergreifende Workshops und Vorträge ergänzten das Tagesprogramm:

  • Gebietsreferentin Martina Goerlich gab Impulse aus der praktischen Bauforschung und beriet zu allen Fragen rund ums Kloster.
  • Zimmerermeister und Restaurator im Handwerk Sebastian Luib führte durch die Dachstühle mehrerer Gebäude. Er zeigte außerdem mit seinem Team die historische Bearbeitung eines Holzstammes bis zum fertigen Fachwerkbauteil und bot allen die Möglichkeit, die historischen Gerätschaften auszuprobieren.
  • Christiane Brasse beriet bei bauforscherischen Anliegen.
  • Architekt Nikolai Siegelin erklärte, wie er Messbilder des Ochsenstalls mittels 3D-Scan mit einer Drohne anfertigte.
  • Dr. Kristina Holl gab Impulse zu präventiver Restaurierung und Konservierung, vor allem im Kontext des Klimawandels.

Die gemeinsame Unterbringung im Kloster förderte die Auseinandersetzung mit dem baulichen Ensemble. In den Schlafräumen, dem Speisesaal und beim Gottesdienst in der Kirche St. Anna konnte auch außerhalb der Arbeitszeit die Atmosphäre des Klosters gespürt werden. Der Kräutergarten, das Volleyballfeld oder der Badeweiher boten den perfekten Rahmen, um den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen. Manch eine*r besuchte auch das nahe Freilichtmuseum Heuneburg oder das Münster in Zwiefalten.

Abschlusspräsentation

Am letzten Tag präsentierten die Teilnehmenden ihre Ergebnisse allen Involvierten und der gastgebenden Stefanus-Gemeinschaft. Die Präsentationen überzeugten durch die Verbindung aus fachlichem Lernen und kreativem Revitalisierungskonzept.

Beteiligte Institutionen

Mitgewirkt haben:

  • ABK Stuttgart
  • Professur Bau- und Architekturgeschichte (BAG) Karlsruher Institut für Technologie
  • Institut für Architekturgeschichte (ifag) der Universität Stuttgart
  • Institut für Europäische Kunstgeschichte (IEK) der Universität Heidelberg
  • Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart
  • Land Baden-Württemberg
  • denkmalnetzBW e.V.
  • Stefanus-Gemeinschaft
  • Tagungshaus Kloster Heiligkreuztal

Unser Dank gilt allen beteiligten Institutionen und ehrenamtlichen Personen. Ein besonderer Dank gilt den Teilnehmer*innen für die produktive und herzliche Zusammenarbeit:

Maximilian Cacek (Bochum), Jule Dempewulf (Braunschweig), Stefan Dieterle (Stuttgart/Tübingen), Sarah Ederer (Stuttgart), Mathilde Göttel (Bamberg), Henriette Helms (Bamberg), Johanna Hildebrand (Heidelberg), Miriam Hoffmann (Heidelberg), Sophia Hoffmann (München), Nina Kater (München), Aileen Keenan (Stuttgart), Samuel Keller (Stuttgart), Klara Krauß (Heidelberg), Niels Maier (Regensburg), Jana Ridder (Stuttgart), Lily Rudolph (Weimar), Beate Schrepp (Stuttgart), Lena Spaniol (Dresden), Anna Streck (München), Lea Tiedemann (Stuttgart), Sinead Uhle (Dresden), Marlene Weimer (Stuttgart), Leonie Weis (Stuttgart)

Verantwortliche und Mitwirkende

ABK Stuttgart

  • Prof. Dr. Eva-Maria Seng
  • Prof. Dipl.-Rest. Roland Lenz
  • Saskia Kaiser M.A.
  • Eileen Purnama M.A.

Architekturbüro Siegelin

  • Bruno Siegelin
  • Nikolai Siegelin

denkmalnetzBW e. V.

  • Barbara Saebel MdL a. D. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

ehrenamtlich

  • Dr. Dipl.-Rest. Dörthe Jakobs (Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart a. D.)

Karlsruher Institut für Technologie, Professur Bau- und Architekturgeschichte

  • Dr. Anette Busse MAS

Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart

  • Christiane Brasse M.A.
  • Martina Goerlich M.A.
  • Dr. Dipl.-Rest. Kristina Holl
  • Dr. Claudia Moh

Zimmerei Luib

Architekturbüro Manderscheid

  • Dipl.-Ing. Christoph Manderscheid

Stefanus-Gemeinschaft

  • Erich Fensterle

Universität Stuttgart, Institut für Architekturgeschichte

  • Prof. Dr.-Ing. Christiane Weber M.A.
  • Renée Heusler M.Sc.
  • Dipl.-Ing. Iris Pfeiffer
  • Dr. sc. Jasmin Schäfer
  • Baris Wenzel M.A.

Universität Stuttgart, Institut für Ingenieurgeodäsie

  • Ronja Miehling M.Sc.

Wie es 2025 begann

Vom 20. bis zum 25. Juli 2025 fand die erste Summer School zum Thema Denkmalpflege der ABK Stuttgart im Kloster Bronnbach bei Wertheim statt. Den Bericht darüber sowie die filmische Dokumentation finden Sie unter Summer School Denkmalpflege – Eine Zukunft für den Saalgarten.

Ansprechperson

Bei Belangen rund um die Summer School können Sie sich an Eileen Purnama wenden:

eileen.purnama@abk-stuttgart.de