Hannah Sophie Käthler. Musik als Erfahrungsraum von Transzendenz. Ein musikphilosophischer Ansatz zur Wiederverzauberung der Welt
Inhalt
Kurzvita
seit 2025 Promotionsstudium der Philosophie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
seit 2024 Projektmitarbeiterin im Rahmen des Projektes „Migrationsgeschichte, Transformationen nach 1989, Musikgeschichte, Komparatistik und Geschichtstheorie“ (Universität Wien, Research Center for the History of Transformations)
2023 Erasmus-Semester in Wien
2020–2024 Hauptstudium Evangelische Theologie (Diplom) in Berlin
2017–2019 Studentische Hilfskraft im DFG-Projekt „Spiritismus in Deutschland. Die Rezeption des amerikanischen Spiritualisten Andrew Jackson Davis zwischen Republikanismus, freier Religion und Wissenschaft im langen 19. Jahrhundert“ (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Seminar für Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie)
2015–2020 Studium der Musikwissenschaft und der Evangelischen Theologie (Bachelor) und Grundstudium Evangelische Theologie (Diplom) in Halle (Saale)
Publikationen (Auswahl)
2024
„Music’s Power to Unriddle Human Nature. Musical Anthropology and the Doctrine of Affections“, Vortrag gehalten auf der 24. Konferenz der European Society for the Philosophy of Religion, Trient (Italien), 5.–7. September 2024.
2023
„332 Lobt froh den Herrn, ihr jugendlichen Chöre“, in: Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch, Heft 31, hrsg. von Martin Evang und Ilsabe Alpermann, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2023, S. 25–28.
2019
„Vernunft und Gefühl in der Musikphilosophie Hegels und Schopenhauers“, Vortrag gehalten beim 12. Internationalen Studienkurs in Religionsphilosophie, Dubrovnik (Kroatien), 3.–8. Juni 2019.
Promotionsvorhaben
Abstract
Die Arbeit untersucht Musik als Erfahrungsraum von Transzendenz. Historisch wurde Musik wiederholt die Fähigkeit zugeschrieben, einen Zugang zu ansonsten verschlossenen, transzendenten Wirklichkeitsbereichen zu öffnen. Mit der Aufklärung und der von Max Weber konstatierten „Entzauberung der Welt“ ging diese Perspektive jedoch zunehmend verloren. Dies wurde begleitet von der verbreiteten Erfahrung der Entleerung der Welt von umfassenden Sinn. Obwohl die Musikphilosophie seit den 1980er Jahren eine Renaissance erlebt, mangelt es an einer musikphilosophischen Auseinandersetzung mit Transzendenz, die über ein reduktives theologisches oder anthropologisches Verständnis hinausgeht. Die Arbeit füllt diese Leerstelle, indem sie fragt: Kann Musik für Musiker*innen und Hörer*innen einen Erfahrungsraum eröffnen, der es ihnen ermöglicht, ihr Sein in der Welt zu erforschen, die Grenzen des Fasslichen auszuloten und auf die transzendenten Sinnbedingungen der Welt verwiesen zu werden? Hierfür wird ein aufgeklärtes, dialektisches Transzendenzverständnis entwickelt, das über immanente Transzendenz hinausgeht und einen erweiterten Naturbegriff erfordert. Musik eignet sich durch ihre Zeitlichkeit, Verbindung zu inneren Bewegungen, die Unmittelbarkeit der Klangerfahrung und die Dialektik ihres Gehaltes besonders dafür, auf ein zusammenhaltendes Ganzes zu verweisen. Ziel ist es, Musik als Erfahrungsraum der Transzendenz zu profilieren und ihren Beitrag zur „Wiederverzauberung der Welt“ aufzuzeigen, um eine Perspektive auf umfassenden Sinn zurückzugewinnen.
The dissertation explores music as a space of experience for transcendence. Historically, music has repeatedly been abributed the capacity to open access to otherwise inaccessible, transcendent realms of reality. However, with the Enlightenment and the “disenchantment of the world“, as diagnosed by Max Weber, this perspective gradually faded. This shift was accompanied by the widespread experience of a world emptied of overarching meaning. Although the philosophy of music has experienced a renaissance since the 1980s, there is still a lack of philosophical engagement with transcendence that goes beyond a reductive theological or anthropological understanding. The dissertation addresses that gap by asking: Can music create a space of experience for musicians and listeners that allows them to explore their being-in-the-world, to probe the limits of what can be grasped, and to be directed toward the transcendent conditions of meaning in the world? To this end, an enlightened, dialectical concept of transcendence will be developed—one that goes beyond immanent transcendence and requires an expanded notion of nature. Due to its temporality, its connection to inner movement, the immediacy of sonic experience, and the dialectic of its content, music is particularly suited to point toward a unifying whole. The aim is to profile music as a space of transcendental experience and to highlight its contribution to the “re-enchantment of the world,“ thereby reclaiming a perspective on overarching meaning.