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Höhere Wesen befahlen… The Cut

Als konzeptionelle Weiterentwicklung ihrer Meisterschülerarbeit im Rahmen des Weißenhofprogramms an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste bei Prof. Christian Jankowski präsentiert Anette C. Halm nun mit Ihrer Ausstellung “The Cut” kleinformatige quadratische Gemälde. Jedes der abstrakten Gemälde weist dieselben Maße von 30 x 30 cm auf und wird in der Ausstellung angeordnet wie eine Zeitleiste beim Videoschnitt präsentiert.

“The Cut” basiert auf der konzeptuellen Grundlage, den der Tod der Mutter eines Freundes hatte und dem sich Halm seitdem in verschiedenen Medien künstlerisch widmete. Die Künstlerin konnte unmittelbar nach dem Tod der 93-jährigen Dame mit filmischen Kamerafahrten und Fotografien die räumliche Situation im Haus der Verstorbenen dokumentieren. Im Anschluss führte Halm intensive Gespräche mit den Hinterbliebenen, woraus großformatige Gemälde entstanden, die wie subjektiv-abstrakte Porträts der Verstorbenen gelesen werden können, in denen sich die Erinnerungen und Erfahrungen der Hinterbliebenen widerspiegeln. Denn Halm übernahm das Erzählte und verarbeitete es unmittelbar als abstrakte Malerei. Gerade in den Erfahrungen der zurückliegenden Monate und anhand tragisch verlaufender persönlicher Schicksale weltweit, wurde das bisherige Leben hinterfragt, Selbstverständlichkeiten als Besonderheiten wahrgenommen und die Bedeutung vom unbeschwerten Leben merklich aufgeladen. Sind diese Spuren in den Gemälden sichtbar und erfahrbar?

Für “The Cut” wurden mehrere der großformatigen Gemälde von Anette C. Halm zerschnitten und mehrere daraus resultierende Teile ausgewählt. Dabei ist unklar, wie der Auswahlprozess erfolgte. Indem Halm nicht konsequent 25 Quadrate aus den 2 x 2 Meter messenden Gemälden ausschnitt, sondern sich beim Herausschneiden leiten ließ, um eine Auswahl zu treffen, liegt es nun an uns, der Auswahl und Anordnung instinktiv zu folgen. Agierte Halm bereits als Medium zwischen der Verstorbenen und ihren Hinterbliebenen, das wie ein „Schwamm“ [1]  die erzählten Erinnerungen aus der Vergangenheit aufsog und im Hier und Jetzt als malerische Spuren von Emotionen ausdrückte, agiert sie auch beim Herausschneiden als Medium [2], als Cutterin: die Auswahl erfolgte schließlich durch ihre Wahrnehmung. Oder waren es letztlich doch höhere Wesen, die die Auswahl befahlen? (Hendrik Bündge)

Laufzeit: 24.7.–31.07.2022
Öffnungszeiten: täglich 14–18 Uhr

[1] Zit. n. aus einer E-Mail vom 05.07.2022 der Künstlerin an den Verfasser.
[2] „Ich bin der Pinsel. Das Medium. Der zwischen Hier & Jetzt und Jenseits.“ Ebd.

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