Ausstellung: „Die Klasse der Damen – Künstlerinnen erobern sich die Moderne“
Städtische Galerie Böblingen in der Zehntscheuer, Pfarrgasse 2, 71032 Böblingen
Überblicksschau „Die Klasse der Damen – Künstlerinnen erobern sich die Moderne“ bedeutenden Malerinnen und Bildhauerinnen, die in engem Bezug zum südwestdeutschen Raum stehen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als das Kunstschaffen noch ein überwiegend männliches Monopol darstellte, befanden sich künstlerisch ambitionierte Frauen in der Unterzahl und waren erschwerten Ausbildungs- und Studienbedingungen ausgesetzt. Eine besondere Situation an der Stuttgarter Kunstakademie erlaubte es Frauen – bereits Jahrzehnte vor der offiziellen Zulassung 1919 – so genannte „Damenklassen“ zu besuchen, um damit ihre künstlerische Laufbahn zu fundieren. Weitere Alternativen zur Ausbildung im Fach der freien und angewandten Kunst boten neben der Akademie auch Institutionen wie die Kunstgewerbeschule oder der 1893 auf weibliche Eigeninitiative hin gegründete Württembergische Malerinnen-Verein. Wiederholte Teilnahmen an Ausstellungen, etwa in der Gruppe um die „Stuttgarter Sezession“, verhalfen den Künstlerinnen zu einem erhöhten Bekanntheitsgrad und ermöglichten zusammen mit Auftragsarbeiten ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben.
Vor der zeitgenössischen Hintergrundfolie zeichnet die Ausstellung anhand exemplarischer Werke die beruflichen Werdegänge sowie die individuellen Lebensläufe dieser Künstlerinnen nach. Neben den Ungerechtigkeiten, die den abfällig als „Malweiber“ bezeichneten kunstschaffenden Frauen im Allgemeinen widerfuhren, werden zu dem die Einzelschicksale zahlreicher Künstlerinnen mit jüdischer Abstammung, deren Leben nach 1933 in den allermeisten Fällen eine fatale Wendung nahm, würdigend in den Blickpunkt gerückt.
Aus historischer Distanz wird deutlich, wie es diesen mutigen Vorreiterinnen in ihrer bedingungslosen Hingabe zur künstlerischen Tätigkeit und durch ihre kreative Kraft gelang, in der damaligen Gesellschaft noch tief verwurzelte Vorbehalte gegenüber weiblicher Kunstproduktion, zwar noch nicht vollständig zu überwinden, dafür jedoch umso nachhaltiger zu hinterfragen. Denn es waren die Errungenschaften dieser frühen Verfechterinnen, die einst den Weg für alle nachfolgenden Künstlerinnen-Generationen ebneten.
In dem den klassischen, teilweise noch nie zuvor öffentlich präsentierten Arbeiten brandaktuelle Positionen von Gegenwartskünstlerinnen gegenübergestellt werden, wird eine zeitenübergreifende Brücke hin zu den nach wie vor geführte Diskussionen um die Geschlechterthematik geschlagen.
Laufzeit: 08.03.–05.07.2015
Öffnungszeiten: Mi– Fr 15–18 Uhr, Sa 13–18 Uhr, So 11–17 Uhr
www.boeblingen.de