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Die Künstlerin Julia Schmid, geboren 1969, und der Künstler Rolf Bier, geboren 1960 und Professor für Allgemeine künstlerische Ausbildung an der Kunstakademie, sind seit vielen Jahren ein Paar – aber kein Künstlerduo. Ihre medial breit aufgefächerten Arbeiten entstehen unabhängig voneinander. Dennoch lassen sich Überschnittsmengen des Interesses feststellen. Die Ausstellung versucht erstmals einen Dialog an den Schnittstellen der Werke, in Respekt vor der Individualität der je einzelnen Ansätze. Julia Schmid und Rolf Bier leben und arbeiten in Hannover, Stuttgart und Bouderath/Eifel.
So ist das subjektive Porträt eines Orts oder Wegs mittels Pflanzen das eigentliche Ziel der Malerei von Julia Schmid, persönliche Versuche, sich der unmittelbaren Umgebung durch aufwändige, hyperrealistische Malerei einerseits, durch Rechereberichte, fotografische Arbeiten, Kartenmaterial und Zeichnungen andererseits zu vergewissern. Schmids Bilder lenken den Blick auf passagere Orte des Alltags von Routen für Spaziergänge ebenso wie transitorische Achsen städtischer Infrastruktur.
Rolf Bier wiederum widmete sich nach einem Aufenthalt in New York seit 2005 einige Jahre fast ausschließlich den von ihm „Portraits of unseen People“ genannten Ansichten von Menschen. Personen allerdings, von denen es keine Fotografien oder Ansichten gibt, da sie nie wirklich gelebt haben. Bier generiert diese Porträts vielmehr ausschließlich aus Erinnerungen und dem Fundus des sog. common memory, in dem sich typische und mediale Bilder verwischen. Und natürlich über die Bilder der Malerei und ihrer Geschichte selbst.
Gemeinsam ist Schmid und Bier auch die Auseinandersetzung mit Natur besonders auch im urbanen Raum und der Frage nach ihrer strukturellen und kulturgeschichtlichen Repräsentation. Julia Schmid zeichnet seit einigen Jahren Präparate von Wölfen aus naturhistorischen Sammlungen Europas am Ort ihrer Präsentation. Dabei geht es nicht so sehr um eine Revitalisierung der individuellen Spezies, sondern vielmehr darum, zu untersuchen, wie unterschiedlich die Präparatoren diverse Eigenschaften der Tiere hervorheben und in welche Szenarien sie museal einbettet wurden.
Rolf Biers mehrteiliges Projekt „Tiere in meiner Welt – meine Welt in Tieren“ (seit 2003) umfasst wiederum drei Künstlerbücher, in denen Bier alle Tiere und Angaben zu Ort und Datum auflistete, die ihm im Laufe eines Jahres begegneten: vom Regenwurm im Garten zu kreisenden Adlern Südspaniens. Die Notationen sind ebenso Zeugnisse des oft verdrängten Faktums, dass Tier und Mensch sich die Welt teilen, wie eine Vergewisserung des eigenen humanen Lebens im Spiegel der Tiere.
Laufzeit: 03.03.–15.04.2015
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr 14-18 Uhr und nach Vereinbarung
www.freunde-aktueller-kunst.de 

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