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1901 diskutiert man im Stuttgarter Gemeinderat über einen Bismarck-Brunnen auf dem Bismarckplatz. Realisiert wird er nie. Spurlos geht der damalige Hype um den „eisernen Kanzler“ an Stuttgart trotzdem nicht vorbei. Neun Mal Bismarck in Stuttgart. Weit über tausend Mal Bismarck in Deutschland. Dann ändert sich das Klima. Am Bismarckplatz verbrennt man sich die Finger. Bismarck gerät ins Schwitzen. Wasserspiele sind geplant. Bald. Zur Abkühlung. Zu Ehren Bismarcks? Nein. Bismarck schmilzt in der schwäbischen Sonne. Im Verflossenen spiegeln sich Fragen: Wer wird erinnert und warum? Wer entscheidet, was erinnerungswürdig ist? Und wie könnte eine vielstimmigere Erinnerungskultur aussehen? Wer tritt aus Bismarcks Schmelze?

Ausgehend vom Gedankenexperiment eines zergehenden Bismarcks befragt die zweiteilige Inventour „Eine Zierde unserer Stadt?“ von Ann-Kathrin Müller und Judith Engel, Alumnae der ABK Stuttgart, die erstaunliche Beharrlichkeit öffentlicher Ehrungen und sucht nach Strategien im Umgang mit ambivalentem öffentlichem Erbe.

Vom 9. bis 12. Juli und vom 9. bis 11. Oktober erkunden Teilnehmer*innen gemeinsam mit Expert*innen kritisch Bismarckorte und -ehrungen im Stuttgarter Stadtraum. In Vorträgen, Workshops, Gesprächen und Stadtwanderungen erfahren sie, was die Benennungen der Orte, die sie täglich umgeben, über das Selbstverständnis einer Stadt, einer Region oder einer Nation erzählen. Sie diskutieren, wen diese Erzählungen von Zugehörigkeit und Identität übersehen. Und sie erforschen, wie sich solche Erzählungen im Laufe der Zeit verändern.

Mit Beiträgen von May Ayim, Yeama Bangali, Ferdinand Cohen-Blind, Clara Ervedosa, Tülây Güneş, Lilo Herrmann, der Initiative „Ein Platz für Betty Rosenfeld“, Gustav Sabac El Cher, Friedemann Schmoll, Eric Otieno Sumba, dem Stadtarchiv Stuttgart, Stephan Trüby, dem Universitätsarchiv Hohenheim uvm.

Weitere Infos unter zierde-unserer-stadt.de

Gefördert vom Kulturamt der Landeshauptstadt Stuttgart. Ann-Kathrin Müller und Judith Engel begleiten damit den Beteiligungsprozess „Bismarck(platz) im Fokus. Ein Stadtgespräch über Namen, Orte und Erinnerung“, den die Koordinierungsstelle von April bis November 2026 umsetzt.

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