Film- und Workshopreihe „Zum digitalen Regime der Kunst in Zeiten der Pandemie“ – Salomé Lamas: „The Theatre And The Pest“
Online-Veranstaltung
Im Rahmen der Film- und Workshopreihe wird das digitale Regime der Kunst untersucht – die Rezeptions- und Produktionsbedingungen digitaler Bilder –, die insbesondere im Zuge des Lockdowns in der Covid-19 Pandemie und der damit verbundenen Schließung von Museen, Ausstellungsräumen und Galerien zur dominanten Form der Begegnung mit Kunst geworden sind. – Wie verhält sich die asynchrone Rezeption durch Nutzerinnen und Nutzer von Streamingdiensten vor dem Computerbildschirm zu der kritischen kollektiven Rezeption, die Walter Benjamin den Kinozuschauerinnen und -zuschauer zuschrieb? Inwiefern korrespondiert diese Veränderung mit breiteren sozialen Transformationen und welche Verhältnisse von Gesellschaft, Natur und Subjektivität wohnen den Technologien, die zur Produktion digitaler Bilder verwendet werden, inne? Lassen sich diese Technologien auch gegen die ökonomischen und neokolonialen Herrschaftsformen nutzen, die ihnen zugrunde liegen? Die Reihe widmet sich der Frage, welche Probleme und Potentiale zur Kritik in den neuen Produktions- und Rezeptionsbedingungen digitaler Kunst liegen, und versammelt dazu künstlerische Positionen, die die Möglichkeiten des Mediums formal und inhaltlich in unterschiedlicher Weise ausloten.
Donnerstag, 12.02., 18 Uhr – Salomé Lamas: „The Theatre And The Pest“
Präsentation und Q&A (in englischer Sprache)
Zugang via Zoom: Link und Passwort erhalten Sie nach der Anmeldung, die bis 17 Uhr am Veranstaltungstag möglich ist (franziska.wildt@abk-stuttgart.de).
Am 6. April 1933 hielt Antonin Artaud auf Einladung von René Allendy an der Sorbonne eine Konferenz mit dem Titel „Das Theater und die Pest“ ab. Die einzige vorhandene Dokumentation ist in Anaïs Nins Tagebuch enthalten: ‚Allendy und Artaud sitzen hinter einem großen Sekretär. Allendy stellte Artaud vor. Das Zimmer war voll. (…) Es gibt keine Worte, um zu beschreiben, was Artaud auf der Sorbonne-Bühne vorgetragen hat. Er vergaß die Konferenz, das Theater, seine Ideen, Dr. Allendy an seiner Seite, das Publikum, die jungen Studenten, seine Frau, die Lehrer und die Regisseure. Sein Gesicht verzerrte sich vor Angst und sein Haar troff von Schweiß. Die Augen weiteten sich, die Muskeln spannten sich an, die Finger bemühten sich, ihre Beweglichkeit aufrechtzuerhalten. Er heulte. Delirierte. Er stellte seinen eigenen Tod dar, seine eigene Kreuzigung. Die Leute erstarrten. Dann brachen sie in Lachen aus. Alle lachten! Er pfiff. Schließlich gingen die Leute nacheinander unter großem Lärm heraus, redeten und protestierten. Als sie gingen, klopften sie an die Tür. (…) Aber Artaud fuhr bis zum letzten Atemzug fort.‘ – Während im April 2020, mitten im Lockdown, sind die Theater aufgrund der Covid-19-Pandemie leer bleibt, wird „Das Theater und die Pest“ zu einer Text- und Video-Partitur, die von Schauspielern aus verschiedenen Städten in leeren Theatern nachgespielt wird und sich durch die Übertragung via Streaming wie ein Virus, der Raum und Menschen kontaminiert, ausbreitet.
Salomé Lamas (*1987, Lissabon) hat Film in Lissabon und Prag und Bildende Kunst in Amsterdam studiert. Sie ist Doktorandin der Contemporary Art Studies in Coimbra. Ihr Werk wurde auf zahlreichen Kunstschauen und Filmfestivals gezeigt, u.a.: Berlinale, BAFICI, Museo Arte Reina Sofia, FIAC, MNAC – Museu do Chiado, DocLisboa, Cinema du Réel, Visions du Réel, MoMA – Museum of Modern Art, Museo Guggenheim Bilbao, Harvard Film Archive, Museum of Moving Images NY, Jewish Museum NY, Fid Marseille, Arsenal Institut für Film und Videokunst, Viennale, Culturgest, CCB – Centro Cultural de Belém, Hong Kong FF, Museu Serralves, Tate Modern, CPH: DOX, Centre d’Art Contemporain de Genève, ICA London, TBA 21 Foundation, Mostra de São Paulo, CAC Vilnius, MALBA, FAEMA, SESC São Paulo, MAAT, La Biennale di Venezia Architettura. Lamas was granted several fellowships such as the Gardner Film Study Center Fellowship – Harvard University, Film Study Center-Harvard Fellowship, The Rockefeller Foundation – Bellagio Center, Brown Foundation – Dora Maar House, Fundación Botín, Fundação Calouste Gulbenkian, Sundance, Bogliasco Foundation, The MacDowell Colony, Yaddo, Camargo Foundation, Berliner Künstlerprogramm des DAAD.
Detaillierte Informationen zur Reihe und weitere Termine können Sie dem Programm (pdf) entnehmen.
Organisation: AM Franziska Wildt M.A.
Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Stuttgart und der Stiftung der Landesbank Baden-Württemberg