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Eröffnung: Donnerstag, 22. Mai 2025, 19:30 Uhr 
Laufzeit: 23.05.–22.06.2025
Öffnungszeiten: Do 17–20 Uhr, So 11–17 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 07022/41247

In den im Rahmen der Ausstellung gezeigten Arbeiten setzt sich Leonie Lass, Studentin der Bildenden Kunst in der Klasse von Prof. Mariella Mosler (Bildhauerei), mit der topografischen Verortung und der architektonischen Struktur des Kunstvereins Nürtingen auseinander, der eingebettet ist in das industrielle Umfeld des Produktionsstandorts der Firma Greiner. Ausgehend von ihrer ortsspezifischen, poetisch-konzeptuellen Praxis widmet sich Leonie Lass Fragen der Sichtbarkeit und der Leerstellen. Mittels skulpturaler, vorwiegend subtraktiver Eingriffe wird vom Ausstellungsraum abgetragen, der Bestand inventarisiert und an anderer Stelle Dinge hinzugefügt. Der Kunstverein bekommt eine Hülle – wird zum Behälter, in dem unterschiedlichste Fragestellungen verhandelt werden.

Leere birgt das Potenzial, Raum zu schaffen. Durch das Entfernen von Dingen entsteht eine Lücke, die eine Notwendigkeit ausdrückt – eine stiller Abdruck, der von Einsamkeit und den Fossilien unserer Gegenwart erzählt. Es ist eine anthropologische Leere, die von Empfindsamkeit zeugt, von Unbehagen und dem Unheimlichen: dem Wohnen, dem Heim, der Hülle.

In der Ausstellung „Oh Lilie, how to shoot a shooting star? Das Unterfangen einer Sternschnuppe.“ stellt sich Leonie Lass die Frage, wie man sich dem Flüchtigen und Bruchstückhaften nähert. Dabei trägt sie Sorge für den Raum, arbeitet mit Objekten, Fragmenten und Zeugnissen. Durch Eingriffe in die Gebäudestruktur des Kunstvereins, sowie durch skulpturale, subtraktive Verfahren sucht Leonie Lass eine Sprache der Intimität – das Häusliche in den Raum einzuladen.

Objekte und Eingriffe verweisen auf Spuren des Dagewesenen, auf nicht mehr anwesende Existenzen und auf abstrakte Überbleibsel. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Unschuld und Macht, in dem Sehnsucht und Scheitern miteinander oszillieren. Entleerte Behälter, Aufbahrungen, Schatullen und Kästchen werden entschält und erzählen von den Politiken, die in ihnen gespeichert sind.

„Die Vergangenheit, die Gegenwart, eine Zukunft sind darin zusammengeballt. Und so wird das Kästchen zum Gedächtnis des Unvordenklichen. (…) [Man] wird erkennen, daß jede große Erinnerung — die reine Erinnerung im Sinne Bergsons — in einem kleinen Kästchen eingelassen ist.“ (Bachelard, Gaston: Poetik des Raumes, S. 114 – 115.)

Leonie Lass, geboren in Esslingen am Neckar, studiert seit 2019 an der ABK Stuttgart bei Prof. Mariella Mosler. Von 2022 bis 2024 war sie Gaststudentin an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Prof. Franka Hörnschemeyer. Daraufhin folgte ein Auslandssemester an der Iceland University of the Arts in Reykjavik.

Sie erhielt 2022 den Akademiepreis ABK Stuttgart, war für den Bundeskunstpreis 2025 nominiert und ist Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in der Staatsgalerie Stuttgart (2024), dem Kunstmuseum Stuttgart (2021), dem Kunstmuseum Solingen (2024) und in der Kunsthalle Mulhouse (2024) gezeigt.

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