Women In Architecture Festival 2025
verschiedene Veranstaltungsorte
Studierende und Lehrende der Fachgruppe Architektur der ABK Stuttgart nehmen mit insgesamt drei Beiträgen an dem Women in Architecture Festival 2025 teil.
Das Festival ist das erste bundesweite Festival zur Sichtbarmachung von Frauen in Architektur, Innenarchitektur, Stadt- und Freiraumplanung sowie Bau- und Ingenieurbaukunst und Baukultur.
Symposium mit Prof. Bettina Kraus, Prof. Marianne Mueller, Claudia Wieser und Prof. Dr. Ole W. Fischer: „WoMAN transFORMS“
Dienstag, 24. Juni 2025, 19–21 Uhr
WECHSELRAUM, Friedrichstraße 5, 70174 Stuttgart
Diese Veranstaltung nimmt Bezug auf die von Hans Holleins konzipierte Ausstellung „MAN transFORMS“, welche 1976 im Cooper Hewitt-Smithsonian Design Museum in New York gezeigt wurde. Legendär als eine visionäre multidisziplinäre Untersuchung sowohl des Mediums der Ausstellung als auch eines erweiterten Design-Begriffs, beschäftigte sie sich mit dem Einfluss des Menschen auf seine Umwelt. Hollein ging von der Idee aus, dass der Mensch durch Design, Architektur und Technologie seine Umgebung kontinuierlich verändert und formt. Dabei wird oft übersehen, dass Hollein von Lisa S. Taylor beauftragt wurde, die als erste Direktorin eines Smithsonian Institution Museums diese Eröffnungsausstellung nach langer Schließzeit wegen Umbau und Renovierung verantwortete.
Das Symposium „WoMAN transFORMS“ erweitert und transformiert Holleins ursprüngliches Konzept, indem es die Rolle und den Einfluss von Frauen in der Gestaltung, Transformation und Zukunftsvision unserer Welt in den Fokus rückt. Es verbindet verschiedene Disziplinen wie Architektur, Design, Kunst, Politik und Kultur und reflektiert dabei aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen und Perspektiven.
Podiumsdiskussion mit AM Mila Kostovic, Alina Weisser und Julia Harr: „Die Unsichtbarkeit auflösen – Gestaltungspotentiale von Rückzugsorten zur Unterstützung von Frauen* in der Prostitution“
Mittwoch, 25. Juni 2025, 18–21 Uhr
Württembergischer Kunstverein, Schlossplatz 2, 70173 Stuttgart
In Deutschland wurde Sexarbeit im Jahr 2002 legalisiert, um die soziale und rechtliche Stellung der in diesem Bereich tätigen Frauen* zu verbessern. Die damit einhergehende Abschaffung der Sittenwidrigkeit hätte das Thema Prostitution stärker in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen und die erhoffte Sichtbarkeit für mehr konkrete Unterstützung sorgen können. Doch nach mehr als 20 Jahren gibt es immer noch keinen Überblick über die tatsächlichen Arbeits- und Lebensbedingungen, und selbst der Umgang mit den Begriffen Sexarbeit und Prostitution bleiben umstritten. Gewaltdelikte, Menschenhandel und Zwangsprostitution sind nach wie vor an der Tagesordnung, der Umsatz in der Branche bewegt sich in Milliardenhöhe.
Zur Sexarbeit gehören auch Räume für die Sexarbeit: Bordelle, Stundenhotels, Straßenprostitution, Rotlichtviertel, aber auch Parks, Bahnhöfe und Privathäuser. Ein zugrunde liegendes System von Zuhältern, rechtlichen Bedingungen, Zwangsarbeit, finanzieller Abhängigkeit und wirtschaftlichem Profit schafft einen benachteiligten und unterdrückten Zustand für Frauen*. Vor allem Frauen* in der Zwangsprostitution bleiben dabei unsichtbar, während Sexarbeit – ob illegal oder nicht – in Städten räumlich zu verorten ist. Auch das Stuttgarter Leonhardsviertel beweist die Gleichzeitigkeit städtischer Verankerung und gesellschaftlicher Unsichtbarkeit, die es den Frauen erschwert, sich eigenständig aus der Zwangsarbeit zu lösen.
Umso wichtiger ist daher das Bestehen von Anlaufstellen, die der strukturellen Ausbeutung entgegenwirken. Im Leonhardsviertel etablierte sich unter anderem das HoffnungsHaus als Rückzugsort für Frauen* in der Prostitution, das als Café und mit anderen kreativen Angeboten den Austausch fördert. Die räumliche Präsenz und Zugänglichkeit ist dabei nicht nur ein singulärer Kontaktpunkt, sondern eröffnet den Zugang zu einem Netzwerk and Akteur*innen, das bestehende Angebote verbindet, alternative Wege und Möglichkeiten vorschlägt und diese betreut.
In einer Podiumsdiskussion mit Alina Weisser, Sozialarbeiterin im HoffnungsHaus Stuttgart und Julia Harr, Architekturstudentin der ABK Stuttgart, soll darüber diskutiert werden, wie ein geschützter und dennoch nicht isolierter Ort durch architektonische Gestaltung die Arbeit der – oftmals ehrenamtlichen – Helfer*innen zusätzlich stärken könnte und Räume des Ankommens, Wohlfühlens und neu Orientierens zu spezifizieren. Im direkten Bezug zum Leonhardsviertel wird darüber gesprochen werden, welche konkreten Wünsche und Bedürfnisse zur Unterstützung von Frauen* in der Prostitution oder beim Weg aus der Prostitution wahrgenommen werden sollten und inwiefern eine dezidierte räumliche Auseinandersetzung dies unterstützen könnte. Ziel der Diskussion ist es einerseits, ein breiteres Verständnis über die Mechanismen der zugrundeliegenden Gewalt-Strukturen von Menschenhandel in der Prostitution und deren Manifestationen in Architektur und Städtebau zu generieren. Darauf aufbauend sollen die notwendige soziale und räumliche Infrastruktur für die Unterstützung von Frauen* in der Prostitution nachvollziehbar gemacht werden und dazu angeregt werden, dies im Architekturdiskurs als relevante Entwurfs-Aufgabe aufzufassen.
Audioinstallation der Studierenden Hannah Deimel, Anna Lorber und Antonia Nolte: „Räume der Prostitution“
Freitag, 27. Juni 2025, 16–19 Uhr
UHU-Bar, Leonhardstraße 4, 70182 Stuttgart
Ist der Kontext eine Bedingung des Ortes selbst? Wer ist sichtbar und wer ist unsichtbar im Stadtraum? Wie werden Machtverhältnisse sichtbar? Wie wirken sich Machtverhältnisse auf den Raum aus? Wen prägt der Raum? Welche Verantwortung liegt bei politischen Akteur*innen? Und den Stadtbewohner*innen?
Die Audioinstallation „Räume der Prostitution“ der Architekturstudentinnen Hannah Deimel, Anna Lorber und Antonia Nolte setzt sich auf künstlerischer und architektonischer Ebene mit der Funktion des Leonhardsviertel in Stuttgart als Rotlichtviertel auseinander. Durch atmosphärische Aufnahmen und Ortsumschreibungen entstehen neue oder eigene Bilder der Orte in den Köpfen der Zuhörenden.
Zusammen mit Stimmen aus dem Milieu wird ein Eindruck der Bedingungen, Bedürfnisse und Sorgen in der Sexarbeit vermittelt und erfahrbar gemacht. Ausgehend einer künstlerischen Recherche, Gesprächen mit Akteur*innen und einer städtebaulichen Analyse entstand ein Hörstück, das nun der weiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Ausstellungsort ist die UHU-Bar im Leonhardsviertel. Die UHU-Bar, die sich in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Laufhauses befindet, hat ihren Platz im Herzen des Stuttgarter Rotlichtmilieus. Die Besucher*innen sind eingeladen die Räumlichkeiten zu besichtigen, die Audioarbeit zu hören und ins Gespräch zu kommen.