Dr. Petrus Aejmelaeus-Lindström ist neuer Professor für Architektur und Digitales Entwerfen
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Prof. Dr. Petrus Aejmelaeus-Lindström hat zum Wintersemester 2026/27 die Professur für Architektur und Digitales Entwerfen in der Fachgruppe Architektur der ABK Stuttgart übernommen.
In seiner Forschung und Lehre verbindet er computergestütztes Entwerfen und digitale Fertigung mit experimentellen Bauweisen und neuen Materialkonzepten. Dabei untersucht er, wie digitale Technologien das architektonische Entwerfen erweitern und neue Möglichkeiten für Konstruktion, Materialeinsatz und Nutzung eröffnen.
Aejmelaeus-Lindström studierte Architektur am KTH Royal Institute of Technology in Stockholm, an der ETH Zürich und am Future Cities Laboratory in Singapur. Er promovierte an der ETH Zürich, wo er mehr als ein Jahrzehnt in Forschung und Lehre tätig war. Zuletzt arbeitete er als Senior Assistant bei Gramazio Kohler Research, dem Lehrstuhl für Architektur und digitale Fertigung, und leitete das Weiterbildungsprogramm MAS ETH DFAB.
Im Zentrum seiner Forschung steht die Frage, wie computergestütztes Design und digitale Fertigung neue architektonische Ausdrucksformen, Konstruktionsweisen und Materialsysteme ermöglichen. Computation versteht Aejmelaeus-Lindström dabei nicht allein als Werkzeug zur Formfindung, sondern ebenso als Mittel, um architektonische Leistungsfähigkeit, Bauprozesse und Nutzungsmöglichkeiten zu untersuchen und weiterzuentwickeln. Ein wesentliches Element seines Ansatzes ist das Verständnis des computergestützten Entwerfens als Kommunikationsprozess zwischen Menschen, unterschiedlichen Disziplinen und Maschinen.
Seine Forschungsarbeit mündet in experimentelle Architekturprojekte, die neue Wege des Bauens erproben. Der „Rock Print Pavilion“, der mithilfe von Robotern aus 40 Tonnen losem Kies und Schnur errichtet wurde, untersucht ein vollständig reversibles Bausystem: Die verwendeten Rohstoffe können zurückgewonnen und ohne Qualitätsverlust wiederverwendet werden. Der „Caschlatsch Tower“ in Disentis/Mustér widmet sich leichten, robusten Strukturen aus nichttragendem Holz und der Frage, wie diese in anspruchsvollen alpinen Umgebungen mithilfe computergestützter Entwurfsverfahren und im Zusammenspiel von Mensch und Roboter montiert werden können.
Auch bei der „Gelateria in Mulegns“ steht das Zusammenspiel von digitaler Fertigung und ressourcenschonendem Bauen im Mittelpunkt. Eine großformatige, robotergestützt 3D-gedruckte Innenkuppel verbindet die Wiederverwendung von Brettsperrholz (CLT) mit dem Einsatz recycelter Thermoplaste. Ein weiteres Beispiel sind die Balustraden für das historische Hotel Schatzalp in Davos. Hier zeigen computergestütztes Design, CNC-Fertigung und Extended-Reality-Technologien (XR), wie individuell angepasste Bauteile kosteneffizient und lokal hergestellt werden können. Zugleich werden Montagesysteme entwickelt, die Wartung und Reparatur über die gesamte Nutzungsdauer erleichtern.
In seiner Lehre möchte Aejmelaeus-Lindström computergestütztes Entwerfen und digitale Fertigung als selbstverständliche Bestandteile des architektonischen Denkens vermitteln. Im Vordergrund steht dabei nicht die Anwendung bestimmter Softwareprogramme, sondern das Verständnis der zugrunde liegenden Prinzipien und die Fähigkeit, daraus eigene Entwurfsmethoden zu entwickeln. Digitale Modelle und Zeichnungen, Materialexperimente und physische Prototypen begreift er als miteinander verbundene Instrumente der architektonischen Untersuchung. Sie ermöglichen es, Entwurfsideen zu erproben, konstruktive Zusammenhänge zu überprüfen und das Verhältnis von Gestaltung, Material und Konstruktion unmittelbar zu erforschen.
An der ABK Stuttgart sieht Aejmelaeus-Lindström besonderes Potenzial darin, die ausgeprägte Werkstattkultur und das handwerkliche Können der Akademie mit digitalen Entwurfs- und Fertigungstechnologien zu verbinden. Aufbauend auf seiner bisherigen Forschung möchte er gemeinsam mit Studierenden experimentelle Bauweisen in Architekturprojekten im Maßstab 1:1 weiterentwickeln und erproben. Ziel ist es, Studierende dazu zu befähigen, computergestütztes Entwerfen und digitale Fertigung als offene, kreative Werkzeuge einzusetzen, die Architekt*innen näher an den Bauprozess heranführen.