Zum Inhalt springen

Nicolai Schurr aus dem Studiengang Architektur der ABK Stuttgart wurde für sein Projekt „Neckar-Analysestube“ mit dem studentischen Förderpreis „0711 Contest 2025“ ausgezeichnet. Dieser wird von den fünf Stuttgarter Kammergruppen der Architektenkammer Baden-Württemberg ausgelobt. Er richtet sich an Studierende der Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung und würdigt herausragende Arbeiten, die sich mit städtebaulichen und architektonischen Fragestellungen der Stadt Stuttgart und der Region Stuttgart beschäftigen. Der Wettbewerb findet alle zwei Jahre statt und verfolgt das Ziel, das kreative Potenzial der Hochschulen stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und für die Stadtentwicklung nutzbar zu machen. Ausgezeichnet werden herausragende studentische Arbeiten zu Themen der Stadt Stuttgart.

Das Projekt „Neckar-Analysestube“ entstand im Wintersemester 2024/2025 im Rahmen eines Stegreifkurses bei Prof. Marianne Mueller, Professorin für Entwerfen, Architektur und Gebäudetypologie. Es sieht die Nutzung eines Brückenfundaments der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Vorgängerbrücke des Mühlstegs in Stuttgart-Bad Cannstatt für ein innovatives Forschungslabor vor, in dem eine Person Platz finden soll.

Der Neckar hat eine große wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung für Stuttgart, ist aufgrund seiner schlechten Wasserqualität und Unzugänglichkeit jedoch kaum nutzbar. Ziel ist es, durch intensive Gewässerbeobachtung ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen zu schaffen.

Der kompakte, zweigeschossige Baukörper schwebt nestartig über dem Wasser und gliedert sich in vier Zonen: eine öffentliche Dachterrasse mit Ausstellungsmöglichkeit (Zugang vom Mühlsteg), einen Wohn-/Schlafraum in der oberen Ebene, Labor/Studio und einen Ruheraum in der unteren Ebene sowie eine Wasserzone mit direktem Gewässerzugang für Messgeräte und Boote. Ein Wasserrad ermittelt  die Strömungsgeschwindigkeit und erzeugt Strom.

Neben der Nutzung für Forschungszwecke kann das Labor als Künstleratelier dienen, insbesondere für Klangkünstler, die das Neckar-Ökosystem mithilfe von Unterwassermikrofonen auditiv erforschen können.

Die Konstruktion aus doppelten Holzträgern, Zangenkonstruktionen und Stahlelementen macht die Bauweise von außen ablesbar und verbindet rationale Nutzung mit einem respektvollen Umgang mit dem historischen Bestand.

„Folly, Labor für Wasserqualität, Refugium für Kunstschaffende, öffentliche Terrasse über dem Fluss – aus dem unscheinbaren Überrest einer längst vergessenen Neckarbrücke wird ein poetischer Ort. Direkt am Mühlsteg, der Verbindung zwischen Kursaalanlagen, Mombachquelle und Travertinpark gelegen, kann das Objekt als technische Installation im Flusslauf gelesen werden, aber auch als romantischer Pavillon im Park. Die klare Holzkonstruktion auf dem vorhandenen Betonpfeiler setzt die Idee mit einfachsten Mitteln angemessen und sensibel um. Man möchte es am liebsten gleich bauen!“, würdigte die Jury Nicolai Schurrs Projekt.