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Die gelebten Standards im Schulsystem sollen mit der Zeit gehen und reformiert werden, wenn man das Schulsystem und die Schularchitektur nach den Interessen und Vorlieben der Kinder und Jugendlichen gestalten möchte. Die Schularchitektur soll deswegen als pädagogischer Prozess verstanden werden und Räume erzeugen, die nicht einfach nur funktionieren, sondern es sollen Räume sein, die lernen, sich verändern und wachsen können – genauso wie die Schüler*innen in ihrer Kindheit lernen, sich verändern und wachsen. Der Raum wird dabei als dritter Pädagoge begriffen.

Umgekehrt ist die radikale Konsequenz, dass ich als Architekturstudent, als Produkt der Disziplinarprozeduren und der vielen Unter-richte für die Planung und den Bau eines Schulgebäudes disqualifiziert bin. Um für das Architekturstudium zugelassen zu werden, muss ein bestandenes Abitur nachgewiesen werden können, das mehrere Selektionsschritte beinhaltet.

Nach den Bachelor- und Masterprüfungen ist das Wissen und die Eingebundenheit in die Arbeitswelt der Architekturbranche und dem dahinter liegenden (auf Wirtschaftlichkeit getrimmten) bon sens soweit entwickelt, dass man als Architekt anfängt, (Schul-)Würfel zu entwerfen, die die Akteure des Schulwesens unterwerfen. Nur dann funktioniert überhaupt ein Design, wenn die Parameter angepasst und die Benutzer sich darauf einlassen und sich dem Entwurf beugen. Wenn wir Architekten ein Gebäude für die Nutzer*innengruppe „(Grund-)Schüler*innen“ entwerfen möchten, stoßen wir mit den gängigen Mitteln der Projektarbeit an Grenzen, weil wir uns nicht in die Lage eines Kindes/ einer Schüler*in versetzen können und somit aus dieser Perspektive kein Gebäude entwerfen können und das folglich nicht dürfen.

Der Ansatz der Masterarbeit ist, die Kinder nicht wie Objekte in einem Schulsystem zu behandeln, sondern sie als Subjekte des Bildungswesens wahrzunehmen. Die Kinder nehmen in der Schularchitektur den zentralen Bestandteil der Nutzer*innen ein und werden in dieser Arbeit wie Expert*innen und Auftraggeber*innen behandelt, die den Prozess des Projektes wesentlich mit gestalten. Mit Workshopformaten sollen die Kinder für ein räumliches Verständnis sensibilisiert werden und aktiv an der Gestaltung teilnehmen.

Meine Arbeit als Architekturstudent ist es, den Gestaltungsprozess der Kinder zu moderieren, die Kommunikation der einzelnen Ansätze zu leiten und den Entwurf in eine Richtung zu lenken, um ihnen eine Stimme in der Architekturdiskussion zu geben und ihre Bedürfnisse und Ideen ernst zu nehmen. Anschließend werden die Ergebnisse im zweiten Teil der Arbeit interpretiert. Architektur wird nicht als ein Abschluss verstanden, sondern als eine Einladung zum Handeln. Die übergeordnete Idee meiner Masterarbeit ist zu lernen, mit der Unschärfe beim process driven design umgehen zu können.

Bei meinen bisherigen Studioentwürfen meines Masterstudiums versuchte ich stets die grafischen Kommunikationsmittel der Architektur herauszufordern und so gut es im akademischen Kontext geht die Entwicklung zu simulieren. Dabei war die Nutzer*innenperspektive zentral und aus dieser Perspektive konnte ich die Entwicklung / Bespielung eines Ortes spekulativ darstellen. Die Selbstwirksamkeit der Nutzer*innen rückt dabei in den Fokus. Diese Idee einer Erforschung der Möglichkeiten der Leistungsphase 0 verbunden mit einer differenzierten Formensprache ist kompatibel mit den heutigen Problemen des und Forderungen an das deutsche Schulwesen. Diese Arbeit stellt grundsätzliche Sachen in Frage und lädt zur Diskussion ein.

instagram.com/k.elifov

Drei architektonische Diagramme: Das linke zeigt miteinander verbundene beschriftete Blasen, das mittlere zeigt Lagepläne und Fotos, und das rechte kombiniert ein Flussdiagramm mit Innenaufnahmen.
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Kevin Elifov, Lebensumfeld Schule?, Kontext Diagramm