(AT) Fabrik der Vielen, Anna-Elisa Lorber
Inhalt
(AT) Fabrik der Vielen – Transformation einer alten Lederhandschuhfabrik. In Thüringen prägen leerstehende Fabriken bis heute Stadtbilder und gesellschaftliche Selbstbilder. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt, wie die Reaktivierung von industriellem Leerstand zu demokratischer Teilhabe, Aneignung und Vielstimmigkeit beitragen kann.
Entwurfsgegenstand ist die ehemalige Lederhandschuhfabrik Liebmann & Kiesewetter in Arnstadt. Das innenstadtnahe, blockinterne Ensemble besteht aus heterogenen Gebäuden unterschiedlicher Bauzeiten, von denen große Teile leer stehen. Erste kulturelle Nutzungen wurden bereits initiiert. Der Entwurf trägt einen Arbeitstitel, da er sich als prozesshafte Struktur versteht. Öffentliche, halböffentliche und private Nutzungen greifen ineinander und sind in Phasen organisiert. Zentrum ist der zentrale Hof. Das Kesselhaus wird zu einem nutzungsoffenen Raum, die Schleiferei zum Ruinengarten, der die denkmalgeschützte mittelalterliche Kemenate freilegt. Das Handschuhmacherinnenhaus wird für Vermietung und Tanzschule ertüchtigt, die Gerberei zur Artist Residency mit Ateliers, Wohnen und Café. Ein Theater- und Veranstaltungssaal ergänzt das Ensemble.
Ein durchgängiges Entwurfsprinzip ist die klare Ablesbarkeit von Alt und Neu: Laubengänge aus verzinktem Stahl, sichtbare Stürze aus Beton, Deckenausschnitte und gemeinschaftliche Zentren strukturieren das Ensemble. Die Fabrik der Vielen versteht Architektur als politisches Handeln und als räumlichen Rahmen für Aushandlung, Teilhabe und gemeinschaftliche Nutzung.