Ein intersektionales Wohnhaus, Leipzig Ost, Eva Maria Lemken, Paula Heucke
Inhalt
Ausgangspunkt des Entwurfs ist die Frage, wie bestehende Wohngeäude transformiert werden können, wenn Sorgearbeit als grundlegender Bestandteil gessellschaftlichen Zusammenlebens verstanden und als Entwurfsparameter in die Architektur integriert wird. Vor dem Hintergrund von Wohnraummangel und steigenden Mieten rückt das gründerzeitliche Mietshaus als soziale Ressource in den Fokus.
Am Beispiel eines leerstehenden Ensembles in Leipzig entsteht ein intersektionales Wohnhaus, das flexible Wohnformen für unterschiedliche Lebensrealitäten ermöglicht. Ziel ist es, Care-Arbeit sichtbar zu machen, zu kollektivieren und räumlich zu unterstützen, ohne individuelle Rückzugsräume aufzugeben.
Der Entwurf arbeitet mit dem bestehenden Tragwerk, den Treppenhäusern und Schächten. Durch selektiven Rückbau entstehen neue räumliche Beziehungen innerhalb und zwischen den Gebäuden. Die ehemals hierarchische Zimmerstruktur wird in ein Raster gleichwertiger Räume überführt. Flure werden zu gemeinschaftlich nutzbaren Überfluren mit integrierter Badinfrastruktur und Wohnküchen als Orten des Austauschs.
Schaltzimmer, Schwellenräume und zuschaltbare Wohnbereiche schaffen ein „atmendes Haus“, das sich veränderten Lebenssituation anpasst und neue Wohnformen ermöglicht.
Der Entwurf versteht den Bestand als Ausgangspunkt für eine sorgende Architektur, die Erhalt, Reparatur und Anpassungsfähigkeit in den Mittelpunkt stellt und zeigt, wie räumliche Transformation soziale Gerechtigkeit fördern kann.