Wenn ich mal groß bin, Vanessa Mann
Inhalt
In der Arbeit „Wenn ich mal groß bin“ entstand etwas, das in der uns vertrauten Welt keine direkte Entsprechung findet. Dennoch lassen sich Analogien erkennen. Der Grundkorpus erinnert an ein Haus, während die Anbauteile Ähnlichkeiten mit neuen Trieben einer wachsenden Pflanze aufweisen. Diese beiden Elemente stehen im Kontrast. Ein Gebäude fängt nicht aus sich heraus an zu wachsen, denn es ist ein lebloses Objekt. Oft wird das Haus als verankerte Entität aufgefasst, deren zentrale Funktion der Rückzugs- und Schutzraum vor äußeren Einflüssen ist.
Es kann sich aus einem rein physischen Objekt kein neuer Keimling bilden. Es bedarf dafür eines lebenden Organismus. Genau diesen scheinbaren Widerspruch greift das Kunstwerk auf. Das Seelenlose wird lebendig.
Das Haus entwickelt eine Identität und Persönlichkeit. Es wächst über seine ihm ursprünglich zugedachten Funktion hinaus und öffnet sich seiner Umgebung. Dieser Prozess scheint noch nicht abgeschlossen, es ist ein Übergangszustand. Ob eine Endform überhaupt erreicht werden kann und wohin die Wandlung geht, bleibt offen.
Klar ist jedoch, dass durch den Samen von positiven Einflüssen eine Transformation beginnt, in der das Haus menschliche Eigenschaften entwickelt. Etwas beginnt ein Bewusstsein zu entwickeln, mehr als nur das bloße Reagieren auf Reize. Es wirkt wie ein erstes Greifen nach seiner Umwelt. Ein Ertasten und Erspüren. Wo befinde ich mich? Was sind meine Möglichkeiten? Wo möchte ich hin? Der Keim ist gepflanzt und nun beginnt er sich zu entfalten.
Das Gebäude streckt zum ersten Mal seine Fühler aus. Es offenbart sich ein intimer Moment der Selbstermächtigung. Nun kann selbst entschieden werden, ob die ursprünglich zugedachte Bestimmung des Hauses noch passt.