Zum Inhalt springen

Die drei Arbeiten wurden als zusammengehörige Teile der Dipolmarbeit präsentiert – in einem Raum, ohne klare Trennung, aber mit differenzierter Atmosphäre. Zwischen Sprache, Material und Licht entfaltet sich eine innere Bewegung: vom Zweifel über Erinnerung bis zur stillen Präsenz. Das Portfolio-Buch bildet eine zusätzliche Ebene – nicht als Dokumentation, sondern als stiller Kommentar, der alle Arbeiten begleitet.

Im Wesentlichen
Die Arbeit verweilt in einer Haltung, die nichts beweisen will. Die Körper aus Glas und Kunststoff – fragil, offen, durchsichtig – bleiben einfach da. Eine Taschenlampe beginnt sich zu bewegen, wenn jemand den Raum durchquert. An der Wand: eine langgestreckte Fotografie, zusammengesetzt aus Nahaufnahmen deselben Formen. Im Zusammenspiel von Licht und Material wird sichtbar, was sich nicht in der Vordergrund drängt – und trotzdem bleibt. „Im Wesentlichen“ bleibt bei sich, auch wenn es unbeachtet bleibt. Nicht aus Trotz, sondern aus Überzeugung.

Es ist in Stein gemeißelt.
Die Arbeit thematisiert Selbstzweifel – und den Moment, in dem die eigene Intuition übergangen wird. Ein rückwärts abgespieltes Video auf einem Wand-Tablet zeigt, wie der Satz „Es ist nicht in Stein gemeißelt“ nach und nach verschwindet – bis nichts mehr bleibt. Auf dem Stein daneben ist derselbe Satz eingraviert, doch das Wort „nicht“ wurde grob abgeschliffen. Beide Teile nähern sich demselben Punkt – auf unterschiedliche Weise. Ein warmes, schwaches Licht fällt schräg über die Fläche. Die Arbeit verweilt in jenem stillen Übergang, in dem Widerstand nachlässt und etwas klar wird – nicht laut, aber spürbar.

Nichts verloren
Die Arbeit zeigt in einer Endlosschleife 80 analoge Dias – Fragmente von Gedanken, Entwürfen und Vorhaben, die nie realisiert wurden, aber innerlich weiterleben. Wie zufällige Funde aus dem eigenen Archiv erinnern sie daran, dass das scheinbar Verlorene oft nicht verschwunden, sondern nur in den Hintergrund getreten ist. „Nichts verloren“ benennt diesen Widerspruch und beschreibt die leise Beharrlichkeit unvollendeter Intentionen.

Um unser Leben fortzusetzen
Das Buch begleitet die Diplomarbeiten nicht als Dokumentation, sondern als eigenständige Arbeit – als zweiter Raum. Es enthält Texte, Bilder, Fragmente, Denkbewegungen. Nicht chronologisch, sondern entlang einer inneren Bewegung: vom Zweifeln über das Erinnern bis zur Entscheidung. Es folgt keiner Dramaturgie, sondern einer Haltung. Das Buch bleibt geschlossen, aber zugänglich – als Einladung zur eigenen Lektüre. Um unser Leben fortzusetzen ist Archiv, Kommentar, Spiegel – und vielleicht die stillste Form von Behauptung.
Konzept, Texte und Umschlagherstellung: Aeree Sul mit Unterstützung von Thomas Breitenfeld (Form fürs Papierschöpfen) und Enno Lehmann (Papierherstellung und Kaschierung)
Gestaltung (Layout und 3D-Umschlagdesign): Dabin Kim
Sprache: Deutsch
Maße: ca. 21 x 14,8 x 3,2 cm (A5, 355 Seiten)