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Wir befinden uns in London, eine pulsierende Metropole, die nie zur Ruhe kommt. Um der Überwältigung und dem Tumult der Großstadt zu entkommen, braucht es Räume der Ruhe und des Rückzugs innerhalb des urbanen Kontexts.
Mit unserem Projekt möchten wir einen Ruhepol schaffen, der sich als Rückzugsort von dem erschöpfenden Alltag und der Reizüberflutung der Großstadt anbietet.

Der Entwurf basiert auf dem Phänomen des Lichtsickerns, bei dem Licht zart in den Raum eindringt.

Das Haus 17 steht im nördlichen Teil von Shoreditch, London. Die Gegend ist historisch geprägt von Textilindustrie, die im 17. Jahrhundert von geflüchteten flämischen Weber:innen etabliert wurde. Die textile Vergangenheit dieses Orts fließt in unseren Entwurf ein. Ein wichtiger Bestandteil sind transluzente Lichtfilter als raumdefinierende Elemente – auf der Basis von natürlichen Baumwollstoffen.
Haus 17, ein leerstehendes viktorianisches Fabrikgebäude aus dem 19. Jhd, liegt in einem kleinen Hinterhof an der Hackney Road, eingebettet in ein Ensemble aus verschiedenen kreativen und sozialen Unternehmen, darunter Architekturbüros, Design- und Fotostudios, aber auch Wohneinheiten.

Die neuen Räumlichkeiten in Haus 17 gehen sensibel mit der Abstufung von Licht und Schatten um. Wir nehmen Lichtleere als erstes gegebenes Element an und formen Räume aus der Dunkelheit heraus, die dazu einladen, sich zu entspannen und zu sich selbst zu finden.Vier zentrale Momente prägen das Haus: Lavabo, morning room, cotton room und das Himmelszelt. Ein Lichtkamin führt entlang einer gewachsten Wand durch alle Geschosse. Stoffbespannte Flächen, dunkles Holz und gepolsterte Räume erzeugen wechselnde Stimmungen im Tageslauf. Den Abschluss bildet ein nach oben offener Raum unter freiem Himmel – reduziert auf Kies, Holz und Horizont.

Wir versuchen, in den lichtarmen Räumen durch den gezielten Einsatz unterschiedlicher Materialitäten den Blick zu lenken. Auf die Wahrnehmung von Oberflächen, auf Materialbeschaffenheit und optische Eigenschaften. Aber auch Haptik und Tastsinn spielen eine wichtige Rolle dabei, die Qualitäten dieser Räume bewusst wahrzunehmen und in ihre Tiefe zu tauchen.
Jun’Ichirō Tanizaki schreibt in seinem Buch Lob des Schattens, dass „die Schönheit eines japanischen Raumes rein in der Abstufung des Schattens liegt“. Er möchte damit zum Ausdruck bringen, dass Schönheit nicht durch die Dinge selbst entsteht, sondern durch das, was das Licht nicht vollständig preisgibt, dass ein Raum durch seine Dunkelheit schön ist und diese Schönheit dort entsteht, wo das Licht dem Schatten weicht.

Wir versuchen, mit Haus 17, Hackney Road, London, unsere Intervention in den Bestand nach diesem Prinzip zu gestalten.

 

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