Szenenbilder, Anna Lena Taubert
Inhalt
Szenenbilder ist das Ergebnis verschiedener Kneipenbesuche, die ich atmosphärisch untersucht und in Form von poetischen Erzählungen beschrieben habe. Durch die poetische Erzählweise wird eine bildliche Atmosphäre erzeugt, die verschiedene Szenenbilder schafft.
Ich setze mich mit der Kneipe als atmosphärischen und performativen Raum auseinander. Der Kneipenraum wird als Bühne definiert, auf der die Besucher*innen in ständigem Wechsel die Rolle der Betrachter*innen und der Darsteller*innen einnehmen.
Das Theater
– eine Welt zwischen Realität und Fiktion –
wird in den realen Raum der Kneipe projiziert:
Die Inszenierung im Alltag, die Kneipe als Aufführung und
die Flucht aus der Realität.
Die Kneipennacht kann als eine Wiederverzauberung der Welt und als eine Verwandlung der an ihnen Beteiligten beschrieben werden – genau das, was sich in einer Aufführung ereignet.1 Doch sie kann auch die Illusion einer Wahrheit erschaffen, die es so nicht gibt. Die Illusion, dass alles gut ist, wenn ich die Kneipe betrete. Wenn der Alkohol wirkt, der Rausch einsetzt und eine Utopie im Kopf entsteht, die am nächsten Tag zerbricht.
Die Kneipe
als Zufluchtsort, als Ort der Gemeinschaft und
als Ergebnis verschiedener sozialer Prozesse.
In meiner Masterarbeit inszeniere ich diese Szenenbilder in einer Rauminstallation und übertrage die Kneipe in den fiktiven Raum. Ich setzte den Fokus auf die Herstellung von Atmosphäre durch Licht, Geräusche und Geruch. Eine Rauminstallation, die durch eine mediale Choreografie die Betrachter*innen zu Darsteller*innen verwandelt.
Der Raum soll in seinem Moment existieren und Sinneserfahrungen schaffen, die die Atmosphäre spürbar machen und Erinnerungen in den einzelnen Personen hervorrufen.
Das Eintauchen in eine andere Welt, in eine Aufführung.
1 Erika Fischer-Lichte, Ästhetik des Performativen, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2004, S.315