Zwischen Gedanke und Dokument, Anthony Wahl
Inhalt
Fotografische Bilder können verschieden gelesen werden und verschiedene Funktionen erfüllen. Die Fotografie lebt von der Betrachtung, doch keiner sieht das gleiche Bild. Die Gedanken bestimmen, was wir sehen und übersehen. Betrachtungsweisen spielen eine entscheidende Rolle beim Umgang mit Bildern und dem Filtern von Information. Trotzdem entscheidet sich kaum jemand im Alltag, im Museum oder beim Scrollen auf TikTok gezielt für die eine oder andere Betrachtungsweise.
Ich halte die bewusste Auseinandersetzung mit Betrachtungsweisen in einer Welt der Bilderflut für unumgänglich. Die Fotografie kann als Instrument der Reflektion genutzt werden, um Gewohnheiten des Sehens und Denkens zu erkennen. Mir ist aufgefallen, dass es Phänomene gibt, die nur in einem Foto festgehalten und geteilt werden können. Diese Erscheinungen werden sichtbar, wenn man die erforderlichen Betrachtungsweisen anwendet. Es liegt an der Person, die das Foto macht und an der, die es betrachtet, die Fotografie zwischen Gedanke und Dokument zu verorten.
Die Installation „Zwischen Gedanke und Dokument“ besteht aus 2 Prints, den Raumansichten und 3 Fotoheften, den Ansichtsexemplaren und begleitendem Katalog. Die Raumansichten helfen, die Fotografie aus der Distanz zu betrachten. Sie verweisen auf die Möglichkeit des Wahrnehmungswechsels zwischen Bildraum und Bildfläche. Die Ansichtsexemplare zeigen Zusammenstellungen von Fotos aus aktuellen Projekten. Die Bilder in den Heften entstanden 2024/2025 in Mailand.